Die Faszination für das Mittelalter ist ungebrochen. Das Museum unterm Trifels im malerischen Annweiler hält dabei weltweit  einzigartige Raritäten bereit. Das Museum unterm Trifels in der pittoresken Wassergasse in Annweiler ist schon von außen eine Augenweide: Das ehemalige Mühlengebäude aus dem 17./18. Jahrhundert mit dem großen Wasserrad samt der drei angrenzenden Gerberhäuser, die die vorbeifließende Queich flankieren, gehört zu den schönsten Fachwerk-Ensembles der Pfalz. 

Wer das Museum unterm Trifels betritt, reist nicht nur durch die Geschichte Annweilers und der Pfalz, sondern landet mitten in einer Sammlung, die selbst Kenner staunen lässt. Damit sind nicht nur die Zeugnisse aus der Steinzeit wie der imposante Backenzahn eines Mammuts oder der pfälzische „Ötzi“ an seiner Feuerstelle in der Weidentalhöhle gemeint. 

Dr. Sven Gütermann fährt große Geschütze auf - nämlich den weltweit größten erhaltenen gusseisernen Mörser des Mittelalters.
Dr. Sven Gütermann fährt große Geschütze auf - nämlich den weltweit größten erhaltenen gusseisernen Mörser des Mittelalters. © Katja Bauroth

Museumsleiter Dr. Sven Gütermann hat das museale Kleinod zu einem gut sortierten Refugium mit dem Schwerpunkt Mittelalter verwandelt, das international Beachtung findet. Davon zeugen unter anderem Besuche hochrangiger Historiker aus ganz Europa. So hielt zum Beispiel Professor Dr. Klaus Oschema vom Deutschen Historischen Institut Paris innerhalb der von Gütermann 2023 initiierten Vortragsreihe „Junge Mittelalterforschung“ zum Jahresauftakt 2026 einen Vortrag vor Ort. 

Die Geschichte des deutschen Hochadelsgeschlechts der Stauffer, das im Hochmittelalter eine der bedeutendsten Herrscherdynastien Europas stellte, ist im Museum genauso zu erleben wie ein erzählender Barbarossa in einer Höhle oder ein Modell des von Kaiser Friedrich II. erbauten Castel del Monte aus Birnbaumholz – Interaktivität und Rätselspaß  für Groß und Klein ergänzen die gut dosierte Wissensvermittlung. 

Seltene Bleisiegel aus dem 12. Jahrhundert 
„Das ist etwas ganz Spezielles“, sagt Gütermann und deutet auf drei münzenähnliche Ausstellungsstücke. Es handelt sich zum einen um zwei Bleisiegel des einzigen englischen Papsts, Hadrian IV. (Ponifikat 1154 bis 1159). „Die beiden Papstbullen wurden unterhalb der Burg Trifels gefunden – gleich zwei am selben Ort ist durchaus selten“, erklärt der Museumsleiter und ergänzt, dass das ehemalige Kirchenoberhaupt mit Kaiser Barbarossa in einem starken Konflikt stand. Das dritte Bleisiegel wurde auf der Burg Lindelbrunn ausgegraben und stammt aus der kaiserlichen Kanzlei im fernen Konstantinopel (heute Istanbul). Es zeigt den byzantinischen Kaiser Manuel I. Komnenos (regierte 1143 – 1180). Derzeit ist ein Buch zu den historischen Hintergründen der Siegel in Vorbereitung, das Gütermann herausgeben wird. Das zeigt, im Museum soll nicht nur vermittelt, sondern auch geforscht und Wissen generiert werden.

Hier steckt Päpstliches drin: Diese drei Siegel sind besonders.
Hier steckt Päpstliches drin: Diese drei Siegel sind besonders. © Katja Bauroth

Neben der Dauerausstellung, die immer wieder ergänzt und umgestaltet wird, prägen vor allem zwei Elemente das Profil des Museums: eine Burgmodellsammlung, die in ihrer Art „nichts Vergleichbares in Europa, wenn nicht sogar in der Welt kennt“, so Gütermann, und ein mittelalterlicher gusseiserner Mörser, der als weltweit größter erhaltener Vertreter seiner Zeit gilt. 

Maßgenauigkeit und Details sind Modellbauer Klaus Stuck bei  seinen Burgen wichtig.
Maßgenauigkeit und Details sind Modellbauer Klaus Stuck bei seinen Burgen wichtig. © Katja Bauroth

Burgen der Pfalz im Maßstab 1:100
Ob Anebos, Blumenstein oder Falkenburg: Sie alle sind im Museum unterm Trifels aus Ruinen auferstanden. Ihr Erbauer heißt Kurt Stuck. Der 80-Jährige war schon als Kind von den Burgen seiner Heimat fasziniert. Als leidenschaftlicher Modellbauer ließ er über Jahrzehnte hinweg unter anderem um die 20 pfälzischen Burgmodelle im Maßstab 1:100 entstehen, die er dem Museum als Dauerleihgabe überlassen hat. 

Stuck arbeitet dabei ganz genau: „Bevor ich ein Modell baue, vermesse ich vor Ort und studiere Pläne“, erzählt der Mann mit Blick für Details, die in der Ruine oft längst verloren sind oder nur noch erahnt werden können. In einem Modell wird sichtbar, wie ein inneres Burgsystem funktioniert: Fensteröffnungen, Schildmauern und Wegeführungen werden so angelegt, dass sich der Aufbau nachvollziehen lässt – ein begehbares Denken im Kleinen, das mittelalterliche Architektur und das Leben von anno dazumal begreifbar macht. Dabei arbeitet der Rentner Feinheiten heraus wie den archäologisch nachgewiesenen Arkadengang in seinem allerersten Modell, der Burg Anebos bei Annweiler. Im Gespräch mit Kurt Stuck, der als Ehrenamtlicher im Museum aktiv ist, wird das Burgleben greifbar. „Hier wurden in Körben ältere Burgbewohner in die Obergeschosse gehievt“, deutet er auf einen Turm mit Seilwinde am Modell der Burg Drachenfels bei Busenberg. Und wer überlegt, wie die Toilettenspülung bei den Rittern und Burgfräuleins funktionierte, der fragt am besten Burgenfreund Stuck, Museumsleiter Gütermann oder seine Mitarbeitenden. 

Ein imposantes Geschütz
Nicht weniger eindrucksvoll ist ein Exponat, das Dr. Sven Gütermann als klassisches Belagerungsgeschütz beschreibt: ein gusseiserner Mörser mit noch erkennbaren Spuren des Gussverfahrens. Seine Bedeutung ist außergewöhnlich, weil es sich um den weltweit größten erhaltenen gusseisernen Mörser aus dem Mittelalter handelt. Gefunden wurde er 1880 im Burgbrunnen der Burg Trifels: 14 Zentner schwer, 77 Zentimeter lang, 27 Zentimeter Lichtweite der Mündung und sieben Zentimeter Wandstärke. „Das Geschütz stammt aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts“, erläutert Gütermann. Bis zu 400 Meter weit konnten damit schwere Steinkugeln zur Terrorisierung der belagerten Burg oder Stadt geschossen werden.

Imposantes Ausstellungsstück: der Backenzahn eines Mammuts.
Imposantes Ausstellungsstück: der Backenzahn eines Mammuts. © Katja Bauroth

Funde, die Geschichte werden
Zum Charakter des Museums gehört auch, dass Besonderheiten nicht immer geplant in die Sammlung kommen. Gütermann erzählt von Kontakten, die entstehen, wenn Nachlässe gesichtet oder außergewöhnliche Objekte entdeckt werden. Ein besonders markantes Beispiel ist eine merowingerzeitliche „Franziska“, eine Wurfaxt des 6. Jahrhunderts, deren Form Gütermann bei der Vorlage sofort als charakteristisch erkannte. Solche Dinge können, so Gütermann, ohne fachkundige Einordnung allzu leicht im Schrott landen – im Museum dagegen werden sie zu Zeugnissen mit Seltenheitswert. 

Diese Zeugnisse und vieles mehr gibt es zwischen März und Anfang November im Museum unterm Trifels in Annweiler zu bestaunen. Dazu zählen auch Wechselausstellungen wie in diesem Jahr unter anderem eine Fotoschau der „Heimatlichter“ zum Pfälzerwald. Als Wechselausstellung darf auch „Little Pfalz“ bezeichnet werden. Die Fotografien von Miniaturen in echten Lebenswelten von Benedikt Hild gastieren seit 2022 im Museum und kommen so gut an, dass sie weiter in den Ausstellungsräumen bleiben, jedoch werden immer wieder auch neuere Aufnahmen gezeigt. „Diese Ausstellung kommt bei Jung und Alt prima an“, weiß Museumsleiter Gütermann. Sein ganzes Museum eine echte Schatzkammer, deren Besuch absolut lohnenswert ist – für Gäste und Einheimische! 

Katja Bauroth