Spannende Wege des Pfälzer Wein

Die Pfalz ist ein Weinland voller Überraschungen. Neben den bekannten Klassikern setzen einige Weingüter auf besondere An- und Ausbauweisen, die ihre Weine eigenständig, charakterstark und oft unverwechselbar machen. Wir haben uns umgesehen.

Karl Rummel bei seinen Piwi-Reben.
Karl Rummel bei seinen Piwi-Reben. © Bio-Weingut Rummel

Pilzwiderstandsfähige Reben wachsen etwa in Landau-Nußdorf. Das Bio-Weingut Rummel setzt konsequent auf sogenannte PIWIs. Der Begriff steht für pilzwiderstandsfähige Rebsorten, die gegen verschiedene Pilzkrankheiten robust sind. Für Winzer Karl Rummel sind sie längst mehr als ein Experiment: Sie stehen für die Zukunft des Weinbaus, für ökologische Vorteile und für großartige Weine. Sein Vater Klaus begann bereits in den 1990er-Jahren mit der Pflanzung dieser Reben. Heute lassen sich im Weinberg durch PIWIs laut Rummel 80 bis 90 Prozent der Fungizidspritzungen einsparen. Auch geschmacklich überzeugen Sorten wie Solaris oder Regent auf hohem Niveau. Zum Sortiment des Bioweinguts zählen sechs PIWI-Sorten, darunter Cabernet Blanc, Sauvignac, Sauvignier Gris, Muscaris, Rot Pinotin und Cabertin. 

„Old George“ als Hommage 

Sekt, Rotwein und Weißwein gehören in der Pfalz längst zum vertrauten Repertoire. Doch das Weingut Naegele aus Neustadt-Hambach zeigt, dass auch ein Portwein-Stil hier seinen Platz hat. Weil der Name Portwein rechtlich geschützt ist, heißt der Wein in Deutschland Deutscher Likörwein, erklärt Eva Bonnet. Der „Old George“ ist als edelsüßer Begleiter zum Dessert ebenso geeignet wie als kraftvoller Partner zu Käse oder als gekühlter Aperitif.

Seine Entstehung ist eine Hommage an Georg Naegele, Bonnetts Urgroßvater. Grundlage des Weins war vollreifes Lesegut verschiedener roter Trauben aus dem Jahrgang 2007, edelsüße Qualitäten von der Auslese bis zur Trockenbeerenauslese. Zehn Jahre Reife im Barriquefass und weitere fünf Jahre auf der Flasche machen ihn zu einem außergewöhnlich konzentrierten Wein mit fruchtig-würziger Note.

Eva Bonnet vom Weingut Naegele und Portwein-Flasche „Old George“.
Eva Bonnet vom Weingut Naegele und Portwein-Flasche „Old George“. © Weingut Naegele
Steffen Brahner mit dem teuersten Wein der Pfalz.
Steffen Brahner mit dem teuersten Wein der Pfalz. © Weingut Bürklin-Wolf

Die Königin der Lagen 

Qualität und Herkunft haben ihren Preis. Der teuerste Wein der Pfalz stammt aus Wachenheim. Das VDP-Weingut Bürklin-Wolf bewirtschaftet 0,5 Hektar der vier Hektar großen Einzellage Kirchenstück in Forst. Für Betriebsleiter und Geschäftsführer Steffen Brahner ist diese Lage legendär für Riesling: „Das Mikroklima und die Böden harmonieren perfekt“, erklärt der 54-Jährige, der seit bald 18 Jahren im Weingut arbeitet.

Schon 1828 wurde das Kirchenstück in der Königlich-Bayrischen Lagenklassifikation mit der höchsten Punktzahl bewertet. Das Kirchenstück ist die Königin unter den Grand Cru-Lagen der Region.  Die südöstliche Hangneigung sorgt für schnelle Erwärmung des Basaltgesteins, während Ton- und Sandschichten den Wasserhaushalt regulieren und Mineralien speichern. Eine 0,75-Liter-Flasche des 2024er-Riesling trocken Grand Cru aus dieser Lage kostet 300 Euro. Es gibt ihn auch in Magnum- und Doppelmagnumflaschen. Laut Steffen Brahner ist der Wein „aus dem wertvollsten Weinberg des Weinguts“ äußerst reifefähig und entfaltet mit den Jahren sein ganzes Potenzial.

Natur pur im Glas 

Weltweit gefragte Naturweine entstehen in der Pfalz etwa beim Weingut Odinstal hoch über Wachenheim. Das Weingut liegt in der Monopollage Odinstal und bewirtschaftet dort fünf Hektar eigene Weinberge; weitere fünf Hektar liegen in Herxheim am Berg. Betriebsleiter Andreas Schumann vinifiziert Naturweine aus Riesling-, Spät- und Weißburgunderreben. „Die Weine bestechen durch ihre Authentizität durch ihren jeweiligen Jahrgang, Herkunft und Rebsorte“, erklärt der 47-jährige Winzer. So zeigt der Riesling je nach Lage und Böden unterschiedliche Ausdrucksformen. Basalt, Muschelkalk und Buntsandstein prägen den Charakter der Weine ebenso wie der bewusste Verzicht auf technische Eingriffe. 

Eines der weltweit besten Restaurants im dänischen Kopenhagen setzte schon in den 2010er-Jahren auf diese erlesenen Tropfen. Später wurden dort auch die Weine vom Odinstal ausgeschenkt, die es mittlerweile auf einigen Kontinenten gibt:  Schumann erzählt, dass ein Drittel seiner Weine unter anderem nach Japan, Thailand, Australien und in die USA exportiert werden.   

Andreas Schumann baut Naturweine an.
Andreas Schumann baut Naturweine an. © Fabian Hensel
Heiner Sauer (r.)  in seinem Weinberg in Spanien.
Heiner Sauer (r.) in seinem Weinberg in Spanien. © Weingut Sauer

Zwei Länder – ein Weingut 

Auch grenzüberschreitend wird in pfälzischer Hand gearbeitet. Das Weingut Sauer aus Landau-Nußdorf betreibt zusätzlich ein Weingut in Spanien, in der Region Utiel-Requena. Dort herrschen in Höhenlagen zwischen 600 und 1.100 Metern ideale Bedingungen für hochwertige Rotweine. Das kontinentale Klima mit mediterranem Einfluss und die kargen Kalksteinböden prägen die Weine deutlich. „Dort herrschen sehr gute Bedingungen für den Anbau von hochwertigen Rotweinen“, verdeutlicht Winzer Heiner Sauer.

Die Reben seines Weinguts wachsen auf 780 Metern in der Nähe von Utiel, ein kleines Städtchen im Zentrum der Region. Hier werden Tempranillo, die meistangebaute Rebsorte Spaniens, die uralte, autochthone Rotweinsorte Bobal sowie die internationalen Sorten Merlot, Cabernet Sauvignon und Syrah angebaut. Von Bobal, Merlot und Cabernet Sauvigon erzeugt das Weingut Rosé-Weine. „Diese schmecken kräftiger als die Rosés hierzulande, trotzdem schön frisch und aromatisch“, beschreibt Heiner Sauer. Von Merlot und Syrah produziert der Winzer Rosé Cremant mit sehr früh geernteten Trauben. „Die Rotweine sind sehr druck- und gehaltvoll mit viel reifem Tannin und intensiver roter Farbe. Sie zeichnen sich durch Eleganz und feine Aromatik aus“, erläutert Sauer, der drei- bis viermal im Jahr in Spanien vor Ort ist.

Rieslinge mit Prädikat 

Prädikatsweine stehen für besondere Qualität und reichen von Kabinett bis Trockenbeerenauslese. Das Weingut Koehler-Ruprecht aus Kallstadt widmet sich dieser Kategorie mit großer Konsequenz. „Unser Weingut wurde 1926 gegründet, bis 2014 waren wir auch Mitglied im Verband Deutscher Prädikatsweingüter. Leider kann man da für jede Einzellage nur ein Großes Gewächs ausbauen – das ist uns zu wenig“, verdeutlicht Geschäftsführer und Betriebsleiter Dominik Sona Entscheidungen mit Blick auf die bürokratischen Vorgaben. Aus der Einzellage Kallstadter Saumagen vinifiziert das Weingut drei Prädikatsweine: einen leichten, trockenen Riesling-Kabinett, einen eleganten, trockenen Riesling Spätlese und einen komplexen, trockenen Riesling Auslese. Besagte Rieslinge zeigen den Weinbergscharakter in den verschiedenen Geschmacksrichtungen was dem 46-Jährigen sehr wichtig ist. Er selbst genießt am liebsten den Riesling-Spätlese. „Der elegante Geschmack überzeugt mich“, sagt Dominik Sona. 

Das Weingut setzt auf selektive Handlese auf den 14 Hektar Weinbergsfläche, schonende Verarbeitung, Spontangärung und den Ausbau in alten Holzfässern. Durch langen Hefekontakt und späte Abfüllung entstehen Weine mit Kraft, Eleganz und bemerkenswerter Langlebigkeit. Für Sona ist genau das der Reiz: Der Wein soll den Charakter des Weinbergs in unterschiedlichen Ausprägungen zeigen.    

Dominik Sona mit einem Prädikatswein.
Dominik Sona mit einem Prädikatswein. © Weingut Koehler-Ruprecht